Deutschland: DB verhöhnt Nachtzugkunden und ehemalige Mitarbeiter

»Haben Sie schon einmal in einem Bahnwaggon übernachtet?«, fragt die DB ihre Kunden. Aber nicht etwa, um für das Reisen im Schlaf- und Liegewagen zu werben und die Wiedereinführung der Nachtzüge anzukündigen – nein: Um Hotels zu promoten, die sich ausrangierte Schlafwagen in den Vorgarten gestellt haben.

Deutsche Leser mögen sich da an Erich Kästners Roman »Das fliegende Klassenzimmer« erinnern, in dem ein Protagonist in einem ausrangierten Eisenbahnwagen lebt und wegen dessen Aufschrift »der Nichtraucher« genannt wird – manche denken da aber auch an Kästners berühmtes Zitat: Was auch immer geschieht: Nie dürft so tief ihr sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.

 

Bahnkunden sehen es genauso:

»... eine bodenlose Frechheit ... Erst den Nachtzug streichen, dutzende Personale in die Arbeitslosigkeit entlassen, die Kunden nachts um 2 mit ständigen Durchsagen quälen und jetzt für sowas Werbung machen.«

 

Eine andere Kundin beantwortet die Frage, ob sie schon mal in einem Bahnwaggon übernachtet habe, kurz und deutlich:

»Oh, ja. Zwischen Köln und Kopenhagen, zwischen Brüssel und Bremen. Wann kommen die Nachtzüge wieder?«

 

Und das kompetente Social-Media-Team der DB zeigt bei seiner Replik, dass es nichts, aber auch gar nichts verstanden hat:

»Hallo Sara, hierzu kann ich keine Aussagen machen. die Nachtreisezüge werden mittlerweile von der Österreichischen Bundesbahn (ÖBB) betrieben. Bitte also einmal dort nachfragen.«

 

(Übrigens, liebe DB: Ihr kennt nicht einmal den richtigen Namen der Nachbarbahn. ÖBB steht im Plural für »Österreichische Bundesbahnen«.)

 


Slowakei: Rekorde bei Nacht- und Autozügen

Die Slowakei ist zwar das Land, in dem weltweit die meisten Autos pro Kopf produziert werden, aber die Verkehrspolitik ist nicht so autodominiert wie zwischen Ingolstadt, Stuttgart und Wolfsburg. Der Bahnbetreiber Železničná spoločnosť Slovensko, a. s. (ZSSK) meldete im September 2017 für Januar bis August 2017 gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs beim Nachtverkehr von insgesamt 10,5 % und beim innerstaatlichen Autozug Bratislava-Hummené sogar von 30,7 %. Die Verbindung Prag-Hummené war durchschnittlich zu 73 % ausgelastet.

 

Am Ende des oben verlinkten Artikels finden sich einige Fotos. Benutzer deutscher Nachtzüge werden den Liegewagen wiedererkennen: behindertengerechte Fahrzeuge haben also nicht nur in Österreich, sondern auch in der Slowakei ein neues Einsatzgebiet gefunden.

Der Streckenverlauf der innenslowakischen Nachtzüge.

Hinzu kommen Verbindungen mit Tschechien, Polen und der Ukraine sowie der Nachtzug Budapest-Bratislava-Berlin.

Fotos: ZSSK

 

Hintergrundinformationen finden sich im Artikel von Martin Pavlík, der Ende 2016 den Lesern der »ZEIT« das Reisen im Nachtzug näherbrachte.

Download
SlovakRail.pdf
Adobe Acrobat Dokument 4.1 MB

Frankreich: Studie über das Potenzial der Nachtzüge »Intercités de Nuit«

Im Südwesten Frankreichs engagieren sich Bürger und Organisationen für bessere Bahnverbindungen, vor allem nachts. Das Bündnis »Oui au train de nuit« hat in einer Studie analysiert, welches Potenzial Nachtzüge haben – und mit welchen Tricks Staat und Bahn riesige Investitionen in Richtung Hochgeschwindigkeit durchwinken, ohne auf Nutzen für die Bevölkerung und auf Wirtschaftlichkeit zu achten, während gleichzeitig wegen vergleichsweise lächerlicher Defizite Intercitys, die tagsüber und – mit Liegewagen – nachts Frankreich erschließen, eingestellt werden. Und wie in Deutschland gibt es Indizien dafür, dass diese »Defizite« künstlich herbeigeführt wurden: durch eine Vernachlässigung der Züge, durch häufige Verspätungen und Annullierungen, durch Verstecken und Verschweigen am Fahrkartenschalter und im Internet – und auch durch kreative Buchführung.

 

Aber es gibt positive Signale. Präsident Macron äußerte sich kritisch zu den mit den TGVs angehäuften Schulden, und die zuständigen Gremien und Behörden sind zu der Einschätzung gekommen, dass alle Strecken, für die sich der TGV besser eignet als andere Züge, bereits gebaut wurden, dass also kein realer Bedarf an überteuerten Prestigeprojekten besteht, sondern dass es darauf ankommt, das bestehende Netz zu ertüchtigen und Züge einzusetzen, die große und mittelgroße Städte nicht nur mit Paris, sondern auch untereinander verbinden.

 

»Wir stehen vor einer Renaissance der Nachtzüge«, sagte der schwedische EU-Abgeordnete Jakop Dalunde. Die Renaissance kommt aber nicht von selbst. Tun wir etwas dafür! Argumente und Handlungsvorschläge finden sich in der Studie.

Download
Studie Oui-au-train-de-nuit deutsch 2017
Adobe Acrobat Dokument 12.8 MB